„Gott sei Dank sieht das Publikum nur das Endprodukt“
(Woody Allen beim Schnitt von „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“)
 
 

 

Man wird nicht alle Tage gefragt, ob man Lust hat, einen Ritterfilm zu schneiden.

Deshalb habe ich – na ja, sagen wir: nicht allzu lange gezögert, als Reinhard Kungel, den ich von einem gemeinsamen Dokumentarfilmprojekt beim SWR kannte, mir diese Frage stellte. Es war klar, dass eine ganze Menge Arbeit auf mich zukommen würde: Weil es sich um ein Low- bis No-Budget-Projekt handelte, musste ich meinen Lebensunterhalt weiterhin wie gewohnt als „fester freier“ Cutter beim SWR verdienen und widmete die verbleibende Zeit – manche nennen es „Freizeit“ – der Arbeit an „Ekkelin“.

Mit einem von der Produktion angeschafften, HD-fähigen Final Cut-Pro -Schnittsystem konnte ich zu Hause in Stuttgart arbeiten und per E-Mail Projektdateien an Reinhard Kungel in Hohenschäftlarn/Bayern weiterleiten, wo ein identisches Schnittsystem mit einer Kopie des gesamten Rohmaterials stand. Reinhard konnte so die Resultate meiner Arbeit begutachten und ggf. Änderungen vorschlagen. An einem Wochenende im Monat kam Reinhard nach Stuttgart, wo wir dann gemeinsam an „Ekkelins Knecht“ werkelten.

Der Wust an Material, den es zu bewältigen galt, war u.a. durch die sonst bei Kinofilmen unübliche Produktionsweise bedingt: Um den Schauspielern, die teils vom Theater kamen, teils Laien waren, die Möglichkeit zu geben, sich besser in ihre Rollen einzufühlen, wurden alle Dialogszenen komplett in jeder Einstellungsgröße durchgespielt. Da von den meisten Einstellungsgrößen auch noch mehrere „Kopierer“ existierten, lag dieselbe Aktion oft in zehn oder zwölf Varianten vor. Die Aufgabe, die Geschichte spannend, ohne Längen und für den Zuschauer verständlich zu montieren und das ewige Ringen um den schauspielerisch besten und gleichzeitig im Anschluss passenden Take wurde noch zusätzlich erschwert durch Peter Klewitz' Freibrief, jederzeit auch Dialoge wegzulassen – eine von Autoren ungewohnte Geste.

Gut acht Monate haben wir am Schnitt von „Ekkelins Knecht“ gearbeitet, wir haben Schlachten geschnitten und umgeschnitten, mit roten Freeze-Frames und roten Einfärbungen experimentiert, die sich wie ein roter, Pardon: Blut-Faden, durch den Film ziehen. Auch die Idee der Blend-Montagen, die gerafft Ekkelins und Konrads Feldzüge erzählen und schließlich Nachdrehs bedingten, und der Einfall, die Geschichte durch aufgelegte Kommentare des fahrenden Spielmanns zu verdichten, gediehen im kreativen Humus des Schneideraums.

Die Montagearbeit an „Ekkelin“, die wohlgemerkt völlig ohne Schnittassistenten über die Bühne ging, war anstrengend, aber gleichzeitig eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.